Zunächst nochmals Laryngoskopie und Pharyngoskopie: Es zeigt sich der relativ kleine, exophytische Tumor im Bereich der Tonsillenloge links. Bei Palpation zeigt sich deutliche Infiltration in die Weichteile in Richtung nach oben, Gaumenbogen, in Richtung Pharynxseitenwand in die Tiefe. Ebenso Ausdehnung in Richtung Hypopharynxhinterwand. Der Tumor wird nun mit einem Sicherheitsabstand von 1 1/2 cm allseits transoral, makroskopisch komplett, entfernt. Mitnahme vorderer, hinterer Gaumenbogen, Tonsillen inkl. größerer Anteile der Pharynxseitenwand, wobei im unteren Bereich die Arteria carotis externa mit Abgängen sichtbar ist. Resektion kaudal bis an den Zungengrund, zur Mitte hin Mitnahme von ca. 40% der Hypopharynxhinterwand inkl. Muskulatur. Es werden der Tumor insgesamt fadenmarkiert sowie eine Randprobe von medial rechte Hypopharynxhinterwand als Schleimhaut und Weichgewebe eingeschickt. Im Schnellschnitt Schleimhautränder allseits im Gesunden, jedoch kranial, basal und in Richtung Hypopharynxhinterwand in der Muskulatur noch Tumorausläufer. Somit Entschluss zur Komplettierung der Operation von transzervikal und Deckung mittels Lappen. Da eine Lappendeckung nicht erwartet worden war, ist eine Deckung mittels Platysmalappen die geeignetste Lösung. Es folgt nun die Umlagerung der Patientin zur Neck dissection beidseits: Zunächst Beginn mit der rechten Seite: Schnitt vor dem Musculus sternocleidomastoideus in typischer Weise. Darstellen Musculus sternocleidomastoideus. Abpräparation von Fett-Lymphknotenpräparat. Darstellen Musculus digastricus, Musculus omohyoideus, Darstellung Halsgefäßscheide, Vena jugularis interna und externa, Nervus vagus, Nervus accessorius und Nervus hypoglossus. Entwickeln des dorsalen Neck-Präparates unter Erhalt der Äste des Plexus cervicalis. Anschließend Entwickeln des anterioren Neck-Präparates unter Darstellung und Erhalt der Arteria thyroidea superior und des Nervus hypoglossus. Insgesamt Ausräumung Level II bis IV. Anschließend hier schichtweiser Wundverschluss unter Einlage einer Redon-Drainage nach sorgfältiger Blutstillung und Spülung. Es erfolgt nun die Neck dissection links und die Platysmalappenhebung: Anzeichnen des Platysmalappens entsprechend der ausgemessenen Defektgröße, welche 3 x 6 cm beträgt. Der Platysmalappen wird mit einer Größe von 10 x 6,5 cm angezeichnet, umschnitten und an seinem Stiel entlang des Muskels in Richtung Submandibularregion präpariert. Auf einen intakten Venenabfluss wird geachtet. Anschließend Durchführen der Neck dissection wie auf der Gegenseite, wobei hier auch Level V mit ausgeräumt wird, so dass insgesamt eine Ausräumung der Level II bis V resultiert. Anschließend wird unter transoraler und transzervikaler Kontrolle, nach Darstellung der Carotis interna und Anschlingen derselben sowie Darstellung der Arteria carotis externa und ihrer Abgänge, welche direkt innerhalb des Tumorresektionsgebietes lagen, eine Nachresektion vorgenommen. Es wird die gesamte prävertebrale Muskulatur entfernt im Bereich der Hypopharynxhinterwand. Hier erfolgt auch eine Randprobe der Weichteile zwischen Schleimhaut und Fascia prävertebralis. Diese wird fadenmarkiert. Anschließend großzügige Nachresektion im Bereich der Weichteile des Gaumenbereiches kranial, wobei sämtliche Strukturen der Pharynxseitenwand, welche noch verblieben sind, weggenommen werden. Es verbleiben nur die Äste der Arteria carotis externa, der Arteria carotis interna sowie die entsprechenden Hirnnerven. Basal kranial zur Tube hin werden noch großzügige Weichteile als Randprobe entnommen. Hier dann sowohl kranial und im basalen Teil als auch im Weichteilbereich der Hypopharynxhinterwand keine Karzinominfiltrate mehr. Somit ist nun von einer R0-Resektion auszugehen. Durch Wegnahme der stylohyoidalen Muskulatur, welche im Rahmen der Nachresektion ebenfalls vorgenommen wurde, entstand auch ein breiter Tunnel nach transoral. Hierdurch wird nun der Platysmalappen an seinem Stiel hindurchgezogen und in den Defekt eingelegt. Es folgt die Einnaht des Lappens mit 3/0 Vicryl-Einzelknopfnähten. Defektdeckung gelingt problemlos und spannungsarm. Anschließend erfolgen, nach ausgiebiger Hautmobilisation, Spülung, Blutstillung und der schichtweise Wundverschluss auf der linken Seite unter Einlage ebenfalls einer Redon-Drainage. Während der OP wurde auch eine Tracheotomie in typischer Weise durchgeführt. Hierzu kleiner Kocher'scher Kragenschnitt. Darstellung der infrahyoidalen Muskulatur und Spaltung derselben. Darstellen des Schilddrüsen-Isthmus. Dieser wird unterfahren, getrennt und mittels Durchstichligaturen versorgt. Anschließend Eingehen in die Trachea im 2./3. Zwischenknorpelraum und Herstellen eines kleinen, breitgestielten Björk-Lappens. Abschließend wird zur Anlage eines Laryngektomietubus am Ende eine 8/0-Trachealkanüle eingelegt. Beendigung des Eingriffs ohne Komplikationen. Patientin hat intraoperativ Unacid 3 g als i.v. Antibiose mehrfach erhalten. Diese Antibiose bitte für eine Woche mit 3 x 1,5 g i.v. fortsetzen. Ernährung über die eingelegte Magensonde für ca. 10 Tage, dann Breischluck und ggf. Kostaufbau. Auf eine PEG-Anlage wurde aufgrund der Anamnese mit Magenhochzug bei Ösophaguskarzinom verzichtet. Sollten Probleme mit der Platysmalappendeckung auftreten, kann alternativ auch, nach Aufklärung der Patientin, im Intervall eine Defektdeckung mit Radialislappen durchgeführt werden. Aufgrund des tiefen Infiltrationswachstums handelt es sich um ein cT2-3-Oropharynxkarzinom. Wegen des Halslymphknoten-Status sollte postoperativ eine Radio-Therapie oder sogar eine RCT diskutiert werden. 